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Ein umgangssprachlich als „Besuchervisum“ bezeichnetes Visum wird als Schengen-Visum zur Einreise und zum Kurzaufenthalt (Typ C) erteilt. Es berechtigt zur Einreise in die Schengen-Staaten und zum ununterbrochenen Aufenthalt oder verschiedene aufeinander folgende Aufenthalte mit einer Gesamtaufenthaltsdauer von maximal drei Monaten innerhalb eines Zeitraums von sechs Monaten ab dem Datum der ersten Einreise (Art. 11 Abs. 1 a SDÜ). Das Visum kann für eine oder mehrere Einreisen erteilt werden.

Viele deutsche Auslandsvertretungen sind mit der Erteilung von Besuchervisa sehr zurückhaltend. Dies gilt insbesondere für Auslandsvertretungen in Entwicklungsländern. Dies liegt daran, dass die Auslandsvertretungen entscheidend prüfen, ob die sogenannte „Rückkehrbereitschaft“ angenommen werden kann. Diese muss vom Antragsteller glaubhaft gemacht werden. Entscheidend ist hierbei die wirtschaftliche und gesellschaftliche „Verwurzelung“ im Heimatland. Für eine solche Verwurzelung sprechen insbesondere eine feste Arbeitsstelle mit einem guten Einkommen sowie starke familiäre Bindungen im Heimatland. Ohne festen Arbeitsplatz und derartige familiäre Bindungen ist es oftmals leider kaum möglich, ein Besuchervisum zu erhalten, wenn der Besucher noch nie im Schengen-Gebiet gewesen ist. Dies gilt auch dann, wenn derjenige, der besucht werden soll, durch die Abgabe einer sogenannten „Verpflichtungserklärung“ erklärt, für den Unterhalt und etwaige Arztkosten im Falle einer Erkrankung aufzukommen.

Die Einschaltung eines Rechtsanwalts hilft in rechtlich eindeutigen Fällen einer nicht ausreichend glaubhaft gemachten Rückkehrbereitschaft nur selten weiter. Wenn aber auch nur etwas zur Rückkehrbereitschaft vorgetragen werden kann, können die Botschaften nicht selten auch im Remonstrationsverfahren zur Erteilung des Visums bewegt werden.

Klageverfahren vor dem Verwaltungsgericht Berlin mit dem Ziel, die Auslandsvertretung zur Erteilung eines Besuchervisums zu verpflichten, hatten in der Vergangenheit nur sehr selten Erfolg. Dies könnte sich nach einer aktuellen Entscheidung des 12. Senats des Oberverwaltungsgerichts Berlin-Brandenburg vom 01.04.2009 ändern (Aktenzeichen: 12 M 113.08). Das Gericht hat in diesem Beschluss entschieden, dass ein Besuchervisum vor Gericht grundsätzlich mit einer sogenannten Verpflichtungsklage erstritten werden könne, nicht nur mit einer sogenannten Fortsetzungsfeststellungsklage. Die meisten Kammern des Verwaltungsgerichts Berlin waren bis dahin der Auffassung, dass sich der Wunsch, ein Besuchervisum zu erhalten mit der Ablehnung des Visums durch die deutsche Auslandsvertretung im Regelfall erledigt habe, da das Visum in der Regel für einen bestimmten Zeitraum erteilt werden sollte. Wenn aber im Klageverfahren dieser Zeitraum abgelaufen sei, könne die Auslandsvertretung auch nicht mehr verpflichtet werden, ein solches Visum zu erteilen. Das OVG Berlin-Brandenburg ist nun der Auffassung, dass sich der Wunsch des Erhalts eines Besuchervisums in der Regel nach Ablauf des vorgesehenen Aufenthaltszeitraums nicht erledige, weil der Besucher dann halt einfach zu einem späteren Zeitpunkt einreisen wolle. Etwas anderes gelte nur dann, wenn das Besuchervisum für ein zeitlich feststehendes Ereignis, zum Beispiel für eine Hochzeit oder eine Taufe begehrt werde. Da die Hochzeit oder Taufe nicht nachgeholt werden könnten, erledige sich der Einreisewunsch in diesen Fällen. Im Falle einer Erledigung kann das Gericht allenfalls entscheiden, dass die Ablehnung des Besuchervisums rechtswidrig gewesen ist, was dem Kläger aber kaum weiterhilft.